Heute gibt es die zweite Gastkritik im Horrorblog. Geschrieben hat sie Sarah, die auch ein eigenes Blog betreibt, in dem sie über dies und das bloggt:
Lotterliebe.
Ein bisschen wacklige Füße hat man schon, wenn man nach 158 Minuten Drama, Spannung und Zerstörung wieder den Boden der Tatsachen betritt. Und endlich kann man aufatmen, denn hier ist alles noch heil. Der Fernsehturm steht noch, der Boden weist keinerlei Risse auf, nur die Menschenmasse, die sich vor dem Kino angesammelt hat, macht mich dann doch etwas nervös. Ist was passiert? Ja, die 20 Uhr Vorstellung beginnt doch gleich. Die Nächsten also, die die Welt untergehen sehen wollen.
Quelle: Sony Pictures
Im aktuellen Streifen von Hollywoods Lieblingsdeutschem und Blockbuster-Regisseur
Roland Emmerich muss man auch gar nicht lange warten, bis der Weltuntergang startet. Umso mehr Weltuntergang bekommt man dann auch. Es geht kaputt was nur kaputt gehen kann. Bis auf unsere Helden. Die entgehen jeder Gefahr, rauschen durch einstürzende Neubauten, nehmen rechtzeitig Reißaus vor Feuerbällen und fahren mit einem Bentley aus einem
fliegenden Flugzeug, wohlgemerkt dem größten Flugzeug der Welt (besonders schwer zu
fliegen). Die Geschichte hinter diesen packenden Ereignissen ist schnell erzählt: 2009 sehen Wissenschaftler den Weltuntergang kommen, ein amerikanischer Familienvater, geschieden, 2 Kinder, erfährt drei Jahre später von einem vermeintlich Verrückten, dass die Welt untergehen wird und dass die Regierung Schiffe gebaut hat. Der Vater tut alles um seine Familie in Sicherheit, sprich zu diesen Schiffen zu bringen, die eigentlich nur millionenschweren Ölscheichen, russischen Oligarchen und Staatsoberhäuptern vorbehalten sind.
Alles geht den Bach runter…, Quelle: Sony Pictures
Nach 20 Minuten Vorgeplänkel, in denen der charismatische, junge und aufstrebende Wissenschaftler Adrian Helmsley (
Chiwetel Ejiofor) seinen indischen Freund und Kollegen Dr. Satnam Tsurutani besucht und von ihm erfährt, dass die Erdkruste gefährlich heiß ist und bald alles kaputt gehen wird, beginnt die eigentliche Geschichte. Die Geschichte eines schlechten Vaters, der seine Kinder zu spät zum Campen im Yellowstone Nationalpark abholt, dort mit ihnen abgesperrtes Gebiet betritt und sieht, dass der schöne See, nur noch eine dampfende Pfütze ist. Denn da, wo früher eine Idylle für Bären und Camper war, ist jetzt einer der gefährdeten Orte, der zuerst durch die erhitzte Erdkruste in die Luft gehen wird.
Relativ bald kommt dann schon die Szene, die wir alle aus dem Trailer kennen: Jackson Curtis (
John Cusack), der bisher als Familienvater und Schriftsteller eher versagte, kurvt mit einer Limousine durchs einstürzende Los Angeles. Sein Dasein als Held beginnt. Und sogar sein Buch
Farewell Atlantis
, das bisher weniger Anklang fand, gewinnt im Chaos an Bedeutung, als man erfährt, dass der Wissenschaftler Adrian Helmsley es liest und sogar mitnimmt in die neue Welt nach dem Untergang. Während der Odyssee in diese Welt kann Curtis seine Trümpfe ausspielen, indem er die Familie durch jegliche Gefahren bringt. Dass er damit auch die Liebe seiner Exfrau wiedergewinnen kann, ist ein angenehmer Nebeneffekt – dank Hollywood!
Campingwagen auf der Flucht, Quelle: Sony Pictures
Die letzte halbe Stunde klebt der Zuschauer im Kino an seinem Sessel. Er kann jetzt weder Popcorn essen noch aufs Klo gehen. Der fast quälend in die Länge gezogene Showdown wartet mit immer neuen Hindernissen und retardierenden Momenten auf.
Es kann nur noch gut gehen
, denkt man sich dann. Sonst wär ja alles umsonst gewesen. Und umsonst ist dieser Film auf keinen Fall. Zumindest für all diejenigen, die schon immer mal die Erde untergehen sehen wollten inkl. Vulkanen, Erdverwerfungen, aus Häusern springenden Menschen, Massenpaniken. Eben allem was sich der Freund von Katastrophenfilmen nur wünschen kann plus noch viel mehr. Dass darunter die Story etwas gelitten hat und gegen Ende wirklich ins unrealistisch dramatische gesteigert wird, kann man getrost links liegen lassen. Während des Films erwischte ich mich oft dabei, wie ich mit der Hand vor dem Mund:
Oh Gott!
oder auch
Oh Scheiße!
ausrief. Diese Action bewegt dich, vor allem wenn man daran denkt, dass uns das Jahr 2012 noch bevor steht.
Urteil: 7/10
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2012